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Esst mehr Kreuter! – Das Kreuter’s in Köln-Ehrenfeld

Wenige Tage nach der mittelschweren Katastrophe in Mario’s Trattoria stand schon der nächste Restaurant-Besuch an. Seitdem mein Trauzeuge in Köln-Ehrenfeld wohnt, hatten wir das Kreuter’s auf der Agenda. Als wir den Laden betreten fragen wir uns allerdings: Warum nur? Es ist kaum besucht und das Motto „Kneipe. Bar. Restaurant.“ gepaart mit einer ambitioniert klingenden mediterranen Speisekarte lassen das Allerschlimmste erahnen. Das Ergebnis nehme ich Vorweg: Selten lag ich mit einer Vorahnung weiter entfernt von der Wirklichkeit als hier. Das Essen war absolut fabelhaft, einen sympathischeren Service habe ich selten erlebt und die Kombination aus Bar & Restaurant hat uns noch einen feucht-fröhlichen Abend beschert. Aber der Reihe nach.

Prolog

Vielleicht ist es meine persönliche Unzulänglichkeit, aber von einer Kneipen-Restaurant-Kombination erwarte ich keine kulinarischen Höhenflüge. Metthapen, Flöns zum Bier, für den großen Hunger ein ordentlichen Hacksteak oder gebratener Leberkäse – damit bin ich glücklich. Hier am Gangelsplatz in Düsseldorf-Oberbilk musste das Wirtshaus Gangelshof so eine Erfahrung machen, das nach einer Wiedereröffnung statt mit 40+ Schnitzelsorten auf einmal mit Pasta, Rumpsteak & Co aufwartete. Lange hielt sich die Speisekarte nicht.

Das Essen

Als ich die Speisekarte des Kreuter’s überfliege, geht es mir genauso, nein: Noch schlimmer. Hier will man richtig kreativ sein. Bei der Vorspeise entscheide ich mich dann für in Brickteig gebackenen Ziegenkäse auf Quittenchutney. Das kostet 6,90 Euro und ich habe Angst. Mein Gegenüber bestellt die Tagessuppe – heute vom Kürbis – der perfekte Vergleich für den noch frischen Eindruck bei Mario’s Trattoria. Nach der Bestellung die ersten beruhigenden Signale: Es wird frisches Brot mit gutem Knoblauch-Dip gereicht. Da startet man schon ganz anders, als mit den alten Kniften von Mario. Und zack die nächste Überraschung: Ein Gruß aus der Küche. Ich werd bekloppt, die meinen das mit ihrem Anspruch hier echt ernst. Und lecker ist es auch noch: Eine kleine Antipasti-Auswahl, lauwarm und toll abgeschmeckt. Wer mich kennt weiß, dass ich in jedem Restaurant Antipasti bestelle – aber in der Regel nur einmal. Denn meistens sind die so schlecht – kalt, alt, laff und vor Öl triefend, dass ich das nicht nochmal ertragen kann. Nichtso hier.

Und es geht positiv weiter: Die Vorspeisen machen nicht nur optisch was her. Die Kürbissuppe (kein Püree!!) ist fast wie von einem anderen Stern. Zwischen dieser und der von Mario’s liegen keine Welten, sondern ganze Galaxien. Der Ziegenkäse ist fabulös und das Quittenchutney korrespondiert hervorragend dazu. Und was ich bei Mario’s so schmerzlich vermisste, schlägt mir hier direkt entgegen: Frische Kreuter, pardon Kräuter. Ein Gedicht, da könnte ich mich reinsetzen.

Da kannte ich aber den Hauptgang noch nicht: Salzwiesenlamm mit warmen Couscous-Salat und mit Scampi gefüllte Perlhuhnbrust. Heudewitzka! Viele Menschen mögen kein Lamm, weil sie bislang nur minderwertige Ware gegessen haben, die streng und zäh nach Lamm schmeckt. Gutes Lamm hingegen ist butterzart und schmeckt einfach nur köstlich. Genau wie dieses hier – auf den Punkt gebraten. Der warme Couscous-Salat ist absolut top, die Portion riesig und der Preis mit 18,90 Euro eigentlich zu günstig. Auch das Perlhuhn macht ordentlich was her: Knusprige Haut, saftiges Fleisch, frische Scampi. Vor der Kombination habe ich etwas die Nase gerümpft, der Praxistext beweist aber: Volltreffer.

Der Service

Ein Volltreffer ist auch der Service. Immer präsent, stets freundlich, überaus charmant. Als ich mir zur Vorspeise denke (!), dass noch etwas Brot toll wäre, steht schon die Kellnerin mit frischem Brot vor uns. Nach dem hervorragenden Essen wollten wir eigentlich noch die Gegend erkunden und ordern die Rechnung, werden dabei direkt gefragt ob wir ein Taxi wollen: Draußen schüttet es mittlerweile wie aus Kübeln, was wir selbst nicht mitbekommen haben. Statt uns also in den Sturm zu schicken, sowas! Logische Konsequenz: Wir verzichten auf das Taxi und bleiben. Das haben sie sich verdient – und wir uns auch.

Das Fazit

LECK MICH FETT. Selten habe ich so gut gegessen – in dieser Preisklasse wahrscheinlich noch nie. Läge das Kreuter’s nicht in Köln, ich wäre Stammgast. Nur eins leuchtet mir wahrlich nicht ein: Richtig los ist hier nichts. Vielleicht liegt es am Datum – es ist immerhin der 29. Dezember – aber eigentlich muss die Hütte hier aus allen Nähten platzen. In diesem Sinne: Wenn ihr in Köln seid, besucht diesen Laden. Es lohnt sich!

PS: Die miserable Bildqualität bitte ich zu entschuldigen. Das iPhone bei schummrigen Licht – ein nächster Besuch ist fest eingeplant, dann mit richtigem Equipment.

Kategorie: Restaurants

von

Jahrgang 83 und hoffentlich schon lange genug dekantiert. Wohnt in Düsseldorf Flingern und ist seit Dezember 2016 Vater einer wunderbaren Tochter. Deshalb geht es in der Küche derzeit schnell und gesund zu. Naja, auf jeden Fall schnell.

5 Kommentare

  1. Sehr schön verfasster blog!! Kann dem auch nur zustimmen!!! Als ich damals was da gegessen habe gabs so nen kalten seafood cocktail als amuse. mal was anderes, allerdings nicht jedem seins!! Essen + Service waren hervorragend!!!!

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