Restaurants in Düsseldorf
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Schatz, die Düsseldorfer kommen – hol das Tafelsilber raus!

Früher standen die Reichen & Schönen dadrauf, sich bei mittelprächtigem Essen in einem 08/15-Ladenlokal vom Service miserabel behandeln zu lassen (denn das Servicepersonal ist ja eigentlich der Star…) – Hauptsache Gülcan und Ralf Möller schauen ab und zu mal vorbei. Das Basil’s ist der Prototyp dieses Schickimicki-Molochs. Aber nicht erst seitdem Gülcan ihr Mann lieber bei Berti Wollersheim abhängt halte ich dieses Konzept für absolut überholt. Der neuste Trend in der Düsseldorfer Gastronomie-Szene sind Läden in alten Fabrikhallen, die wirklich beeindruckend aussehen und mit Platz nicht gerade geizen. Die Service-Hipster sind mehr als zuvorkommend,  finden immer die freundliche Worte und auf der Speisekarte gibt es bestimmt Pizza. So ist es zum Beispiel im Dr. Thompon’s, an dass mich das Tafelsilber in Flingern-Nord doch sehr erinnert.

Die Location ist zwar kleiner und nicht ganz so beeindruckend, dafür nicht weniger stylisch. Ich mag diese Kombination aus Industrie und geradliniger Eleganz. Der Außenbereich mit Strandkörben ist trotz der zentralen Lage sehr ruhig gelegen und bei Sonnenschein absolut zu empfehlen. Die Gartentische aus Alu-Lamellen passen zwar wunderbar ins Ambiente, sind für ein Restaurant aber eher ungeeignet – Stichworte: Besteckablage, Weingläser und Klirr. Apropos Weingläser: Im Angebot finden sich einige sehr gute Weine und natürlich dürfen auch Schneider und Hensel nicht fehlen. Insbesondere der Hensel & Gretel ist über jeden Zweifel erhaben und einer meiner Favorite Weißweine. An der Getränkeauswahl hapert es schon mal nicht, wie auch die Cocktails beweisen: Der Moscow Mule kommt rezeptgetreu mit Ingwerbier (falsch aber oft verwendet: Ginger Ale) im Kupferbecher und mit Gurke (damit eigentlich ein Munich Mule). Herrlich!

Und unweigerlich wird man etwas an’s La Baracca erinnert, denn auch im Tafelsilber werden die Bestellungen per Touchpad aufgenommen. Allerdings macht das der Service direkt und mit original iPads und nicht so kleinen Blockheizkraftwerken. Dahinter steckt eine App der Metro, die sich hier gerade im Testbetrieb befindet (die Metrozentrale ist ja nur einen Steinwurf entfernt). Und aus der Sicht der Gäste können wir nur sagen: Scheint alles Tiptop zu funktionieren, wir hatten keinerlei Probleme.

Essen & Service

Die richtige Auswahl der Speisen macht da schon mehr Probleme. Richtige Vorspeisen gibt es nicht, bzw. nur drei verschiedene und eine kleine Auswahl an Suppen. Bei dem guten Wetter nicht gerade unsere Wahl. Also entscheiden wir uns großflächig für das Format „Mix and Match“ bei dem man sich für 13,50 € respektive 14,50 € drei kalte bzw. drei Warme kleine Gerichte zusammen stellen kann. Bestens geeignet um sich das als Vorspeise zu teilen und einen Eindruck von der Küche zu bekommen. Mit Can teile ich mir eine „rosa gebratene Entenbrust auf Sprossensalat“, eine „Mini-Calzone mit Chorizo“ und „Syrische Falafel mit Sesam Infusion“. Die Entenbrust ist eher unauffällig, die Mini-Calzone vom Teig etwas weich und die Chorizo muss man schon suchen. Die Falafel schmeckt hingegen wirklich gut, der Joghurt-Dip ist dagegen zu vernachlässigen. Um uns herum gibt’s dann noch okayen Lachswrap und Tomate-Mozzarella mit Pesto. Das Pesto schmeckt zwar gut, zeigt aber nach ein bisschen Standzeit ein paar seltsame „Wasserablagerungen“, die uns bei genauer Betrachtung auf einen Anteil von TK-Basilikum vermuten lassen. Insgesamt sind die Vorspeisen okay, reißen aber weder nach unten noch nach oben aus.

Umso gespannter sind wir also auf die Hauptgänge. Can entscheidet sich für ein Roastbeef vom Angus Rind mit Ofengemüse (19 €). Gute Qualität und auf den Punkt so gebraten wie bestellt. Außerdem bei uns zu Gast: Tagliatelle mit geräuchertem Hähnchen und grünem Spargel (14,90 €). Das besondere an der Pasta im Tafelsilber ist, dass sie jeden tag frisch zubereitet wird. Und das schmeckt man vor allem dadurch, dass die Dicke der Nudel doch sehr stark variiert und von verkocht bis halb roh alles dabei ist. Ansonsten schmeckt’s die Pasta ganz gut und zu meiner Überraschung ist das geräucherte Hähnchen auch wirklich geräuchert. Ich habe ein Lammfilet mit Kräuterkruste und Pommes Dauphine gewählt (24,50 €). Aus letzterem wird dann ohne Kommentar ein Kartoffelgratin, dafür ist das Lamm gut, auch wenn nur die Hälfte eine Kräuterkruste bekommen hat. Am überzeugendsten ist aber die „Pizza mit Tiger Garnelen, Basilikumpesto, Babyspinat und Pancetta“. Der Teig ist zart und saftig, der Belag eine gelungene Kombination, aber mit 16 Euro auch nicht gerade billig. Insgesamt sind die Hauptgerichte auch eher so mittel, 8 von 9 Personen am Tisch salzen ausserdem ihr Essen nach. Verliebt ist der Koch schon mal nicht.

Als letzte Runde steht dann der Nachtisch an: Der Beeren-Trifle ist absolut gelungen, an der kleinen Käse-Variation für 9 € kann man sowieso nicht so viel falsch machen. Das marmorierte Schokoladen-Mousse (4 €) ist jedoch ein ganz schönes Desaster. An eine Mousse erinnert da mal nichts, das ist eher eine schwere, fast schleimige Creme. Die fünf Mädels tun ihr Bestes, aber die drei Kugeln gehen einfach nicht komplett weg.

Der Service ist während unseres Besuchs absolut freundlich, sehr vorbildlich. Einmal liefert man uns aus versehen eine falsche (und teurere) Flasche Wein, wie wir erst mittendrin bemerken. Alles kein Problem, Kosten entstehen uns nicht. Unkompliziert und vorbildlich. Bei dem schönen Wetter ist der Außenbereich komplett belegt, dafür ist drinnen kein Gast. Trotzdem ist das schon etwas zu viel zu tun für den Service, denn trotz aller Freundlichkeit fühlen wir uns stellenweise schon alleine gelassen.

Fazit

Die Location gefällt und ist alleine schon einen Besuch wert. Die Weinkarte bietet eine tolle Tropfen und die Cocktailbar liefert astreine Arbeit ab. Der Service hat den Namen wirklich verdient, ist aber eventuell etwas zu schwach besetzt. Das Essen fällt hingegen insgesamt ab. Trotz höheren Anspruchs kommt hier vor allem „ok, na gut“ aus der Küche. Bis auf die Mousse ist zwar kein Ausfall dabei, aber es ist kein Gericht dabei, wofür es sich lohnen würde wieder zu kommen. Für die Preisklasse ist das eindeutig zu wenig. Was mir ausserdem beim Schreiben auffällt: Die auf der Website verfügbare Speisekarte ist überholt und stimmt so nicht mehr.

Kategorie: Restaurants in Düsseldorf

von

Jahrgang 83 und hoffentlich schon lange genug dekantiert. Wohnt in Düsseldorf Flingern und ist seit Dezember 2016 Vater einer wunderbaren Tochter. Deshalb geht es in der Küche derzeit schnell und gesund zu. Naja, auf jeden Fall schnell.

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