Restaurants in Düsseldorf
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dreiRaum Bistro in Oberbilk

Zuletzt habe ich das Meckenstock’s ja ziemlich zerrissen. Auf Facebook haben sich unheimlich viele Leute der Kritik angeschlossen, aber einmal wurde mir  Kleinlichkeit vorgeworfen. Ich nenne es mal lieber Genauigkeit und umso mehr können wir uns doch alle freuen, wenn ein es mal ene runderhum positive Kritik gibt. Denn die kommt nämlich jetzt…

Die Zeiten der Klarsichtfolien-Brauhaus-Speisekarte sind vorbei… :)

An der Oberbilker Allee in der Nähe zur Kruppstraße würde man nicht gerade ein schickes Bistro erwarten, in dem man auch noch bei Sonne gerne draußen sitzt. Außer der zentralen Lage verspricht der Standort keine besondere Attraktivität. Aber beim dreiRaum Bistro ist das anders: Eine sehr schicke Einrichtung, gutes Essen, freundliche Bedienung – ein rundherum liebevoll geführtes Bistro.

Ein kurzer Rückblick – Die Schlicktown

Vor rund einem halben Jahr sah das noch etwas anders aus. Das dreiRaum Bistro war damals noch die Schlicktown und stand unter anderer Führung. Die Inneneinrichtung war etwas kitschiger, aber trotzdem gemütlich. Auch damals gab es schon leckeres Bier, aber vor allem viel völlig belanglose Convenience-Speisen – die Bedienung war auch gleichzeitig der „Koch“ (zumindest immer Abends, denn Mittags war ich nie dort). Ab und zu schaute man also in der Schlicktown vorbei, um sich ein Bierchen zu gönnen – aber zum Essen dahin? War wie der Zonk auf Sat.1 – eine absolute Niete.

Neu & Frisch: Das dreiRaum Bistro

Das sich hier ordentlich was geändert hat, merkt man sofort: Auf der Theke lächelt einem direkt frischer und selbstgemachter Kuchen entgegen. Statt der überfüllten Speisekarte in Brauhaus-Optik, Clip-Art-Design und abwaschbarer Folie hält man jetzt eine übersichtliche, aber dafür verdammt schniecke aussehende Karte in den Händen.

Hausgebackenes Brot mit selbstgemachter Aioli

Was jeder TV-Koch der hilfesuchende Küche als erstes rät, wird hier konsequent umgesetzt: Wenige Speisen, dafür lecker und frisch zubereitet. Salate, Pasta, Suppen, Flammkuchen, Club-Sandwich, Antipasti und Bruschetta stehen auf der Karte, dazu gibt es ein wechselndes Mittagsgericht, Sonntag wird gebruncht (was wir jetzt schon auf der ToDo-Liste haben). Während man wartet, überbrücken hausgemachtes Brot und selbstgemachte Aioli die Wartezeit – knaller lecker!

Salat mit Ziegenkäse-Talern

Am Essen gibt es dann auch nichts herumzumäkeln. Der Flammkuchen ist fantastisch dünn, kross und trotzdem saftig. Die Pasta mit hausgemachten Rucola-Walnuss-Pesto in wenigen Minuten verputzt (Can halt, ne?…), die Bruschetta mit Ziegenkäse und Rucola sind vielleicht nicht unbedingt ein optisches Highlight, dafür ein geschmackliches. Wie viel Herz hier drin steckt, erkennt man auch an der ganzen Dekoration und Anrichtung. Man gibt sich richtig Mühe, alles sieht toll aus. Und wenn es dann noch so schmeckt, wie der Kuchen zum Abschluss… mhmmm!

Pierogi – Polnische Maultaschen

Eine besondere Lanze muss ich aber noch für die ausgewählten polnischen Spezialitäten brechen. Zum Beispiel die Pierogi – selbstgemachte Maultaschen mit Zwiebeln und Speck. Nichts für den schwachen Magen aber richtig, richtig gut. Bislang kannte ich die nur das überlieferte Rezept von der Mutter meines Trauzeugen – und da können die vom dreiRaum Bistro mithalten :)

Club-Sandwich mit Mango-Huhn und – natürlich – Pommes

Das eigentliche Highlight: Der Service

Das eigentliche Highlight war aber der Service. Hier muss ich echt mal großen Respekt zollen. Schnell, aufmerksam und sympathisch. Aber was da passiert ist, habe ich so auch noch in keinem Restaurant gesehen: Einem Mitglied unserer Test-Squad haben die Pommes (die er sich zu seinem Salat mit Ziegenkäse bestellt hat (sic!)) nicht so richtig geschmeckt. Zwar auf den Punkt – aussen kross und innen noch saftig, aber irgendwie leicht muffig. Vielleicht altes fett? Der andere Pommes-Esser am Tisch hatte keine Probleme, das restliche Essen hat absolut überzeugt – also wollte er die Sache schon auf sich beruhen lassen. Aber wie der Service aus einem beiläufigen „Ja danke, war ganz lecker“ beim Abräumen so freundlich und bestimmt den Wurm aus der Nase zieht – oho. Da will jemand tatsächlich wissen, wie es bei den Gästen ankommt. Prompt wurde natürlich auch ein Stück Kuchen zur Wiedergutmachung angeboten. Ein Traum.

Kurzes Update: Wir waren jetzt bereits ein zweites Mal da und konnten an den Pommes keinerlei Probleme feststellen.

Eis mit frischer Himbeer-Soße.

Aber man muss ja nicht unbedingt was Essen – auch wenn man etwas verpasst. Das Bierchen (Astra, Flens, Füchschen) oder der Wein perlt auch ohne Speis auf den sehr schönen Bänken in der Sonne. Den Straßenlärm überhöre ich als Oberbilker mittlerweile schon automatisch, nachdem der Berufsverkehr vorbeigezogen ist, wird es sogar fast ruhig. Zu dieser Zeit ist das Bistro immer noch gut besucht – im Inneren ist eine größere Gruppe mit einem After-Work-Wine-Tasting beschäftigt, draußen übertönt die zufriedene Stimmung des Oberbilker-Publikums – von Freundesgruppen bis hin zu Eltern mit Kind, Kegel und Wauwau ist alles dabei – die letzten Autos auf der Oberbilker Allee. Perfekter Ausklang für den Abend.

Der Anti-Pasti-Teller. Die Paprika ist frisch gegrillt, das Pesto auf den Tomaten selbstgemacht

Fazit

Genug des Gesülzes, kommen wir zur Endabrechnung: Das Essen schmeckt verdammt gut, Wein & Bier sowieso. Die komplette Präsentation stimmt, der Service ist ne Wucht. Die entscheidende Frage die gestellt werden muss: Warum habe ich Depp den Laden seit einem halben Jahr im Visir und bin jedes mal vorbei geschlendert? Großer Fehler von mir. Denn hier habe ich scheinbar das gefunden, wonach ich so lange gesucht: Ein Stammlokal in direkter Nachbarschaft. Die Trattoria Via Appia war mir dazu auf Dauer einfach zu laff und uninspiriert, das Meckenstock’s ein Totalausfall. Wenn ihr mich also in der nächsten Zeit: Ich sitz im dreiRaum Bistro…

Info: Öffnungszeiten und Speisekarte findet ihr auf der Website – die hat nach meinem Maßstäben aber noch ordentlich Luft nach oben :)

Update – Besuch einer Leserin

Über Facebook hat uns Verena geschrieben, nach unserem Tipp hat sie auch einmal im dreiRaum Bistro vorbeigeschaut:

Tag noch mal! Yeah, wir haben’s heute Abend mal geschafft. Wir hatten vorsichtshalber reserviert, was gar nicht so blöd war, denn es war tatsächlich gut gefüllt (wie ist es dann wohl beim Brunch.. uiuiui). Deinem Blogeintrag kann ich voll und ganz zustimmen. das selbstgemachte Brot mit den Dips, allen voran der Aioli ist wirklich ganz großes Kino. Die Hauptspeisen waren ebenfalls super – Preis/Leistung ist unschlagbar, Atmosphäre auch. Machen wir jetzt öfter „einfach mal so“, unter der Woche dort was essen. Danke für den guten Tipp!

Wenn ihr auch mal in einem Restaurant ward, was wir getestet haben (oder unbedingt mal testen müssen), schreibt uns einfach. Auch gerne, wenn ihr anderer Meinung seid :)

Update 2 – Frühstücken

Im Bistro kann man Samstags und Sonntags auch frühstücken. Sehr lecker, große Portionen und das ganze für nicht viel Geld. Da sieht ein mancher Brunch für das dreifache an Kohle schon recht arm gegen aus…

Kategorie: Restaurants in Düsseldorf

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Jahrgang 83 und hoffentlich schon lange genug dekantiert. Wohnt in Düsseldorf Flingern und ist seit Dezember 2016 Vater einer wunderbaren Tochter. Deshalb geht es in der Küche derzeit schnell und gesund zu. Naja, auf jeden Fall schnell.

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