Restaurants in Düsseldorf
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Mario’s Trattoria in Düsseldorf

Seit fast sieben Jahre wohne ich in Düsseldorf – und fast genau so lange kenne ich Mario’s Trattoria auf der Friedrichstraße in Düsseldorf.

Ein sehr freundlich eingerichtetes Ladenlokal mit im einem für den Sommer idealen Grünen Innenhof, alles mittlerweile in der unmittelbaren Nähe der Düsseldorfer (Bilker) Arcarden in Friedrichstadt. Geführt von einer sehr freundlichen italienischen Familie – Mario’s Vater baut in Italien noch den Rotwein an, die Mutter macht die Pasta. Die Spezialität auf der Karte sind deshalb auch die Orrechiette aus dem (riesigen) Parmesanlaib – muss man einmal bestellt haben! Ansonsten handelt es sich natürlich um eine richtige Trattoria: Antipasti, Carne, Pesce, Pasta, Dolci. Kurz vor Weihnachten reservierten wir im Freundeskreis dort zum ausgelassenen „Weihnachtswichteln“ – die vielen Eindrücke sind guter Anlass einmal über das Mario’s zu schreiben.

Das wir seit Jahren regelmäßige Besucher von Mario’s Trattoria sind, liegt nicht nur am dem sehr herzlichen Service. Mario’s hat bei uns viel Kredit, weil wir dort anfangs wirklich fantastisch gegessen haben. Seit einiger Zeit merken wir aber, dass die Leistung der Küche deutlich nachgelassen hat. Seit mindestens zwei Jahren haben wir diesen Eindruck – besuchen die Trattoria aber immer wieder und hoffen auf Besserung, die alten Zeiten als süße Erinnerung im Hinterkopf. Leider werden wir jedes mal aufs neue enttäuscht und so auch dieses mal.

Vorspeisen – die große Langeweile

Als Gruß aus der Küche erreicht uns eine Art Reis-Salat. Mit Erbsen, Mais, Thunfisch und Oliven. Es ist schwer zu sagen, ob der Gruß jetzt seit einem Jahr immer gleich ist oder wir nur bei zufällig jedem Besuch diesen Reis-Salat serviert bekommen. Langweilig ist es, so oder so. Weder Dosen-Thunfisch, noch TK-Erbsen und Dosen-Mais sind in der Kombination ein wirklicher Geschmacksknaller. Es ist laff und jeder würzt am Tisch nach – wobei nur eine Person auch wirklich die Portion komplett isst. Bei allen anderen geht der Reis in größeren oder kleineren Resten zurück.

Die zur Vorspeise bestellte Kürbissuppe mit Garnele fällt erstmal positiv dadurch auf, dass sie nicht wie so oft eher als Kürbisbrei serviert wird. Es ist wirklich eine Suppe. Die Garnele ist groß, mit Schale halbiert und gut gebraten. Aber leider wie der Rest der Suppe: Völlig ungewürzt. Die Kürbissuppe hätte man auch durchaus als Mineralwasser reichen können – sie schmeckt einfach nach absolut gar nichts.

Das Mario’s ist auch bekannt für seine relativ große Carpaccio-Auswahl. Zwei verschiedene finden den Weg zu uns an den Tisch. Die Qualität des Fleisches ist nicht zu beanstanden, dass es sich um verschiedene Varianten handeln soll ist allerdings nicht zu erschmecken (weil eigentlich gar nichts zu schmecken ist). Denn außer einigen Parmesanstückchen war kein Unterschied zwischen den Portionen auszumachen. Klar waren die Teller nett dekoriert und die Soßenklekse waren ganz ordentlich, aber das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmte dann doch nicht ganz.

Die Bruschetta hingegen sind eigentlich immer eine sichere Bank. Hier weiß man was man bekommt und wird auch nicht enttäuscht. Ein bisschen am Tisch nachsalzen und gut ist. Das Brot ist schön angetoastet und deshalb nicht so alt und gummi-artig wie das zur Suppe gereichte Brot. Das schmeckt nach Vortag, überhaupt nicht frisch und ist der Trattoria einfach nur unangemessen. Da würde ich selbst lieber ein Brötchen vom Kamps essen, als das.

Hauptgerichte – mittelmäßiges Mittelmaß

Hauptgerichte bestellt man bei Mario’s eigentlich nicht von der sehr übersichtlichen Speisekarte (zwei DIN-A4 Seiten), sondern von einer großen Tafel im Speisesaal, auf der immer wechselnde Gerichte stehen. Man passt sich damit saisonal an und bietet seinen Gästen immer etwas Neues – ein paar Klassiker stehen auf der Karte. Das gefällt vom Konzept, aber die Umsetzung…

Das Tagliata di Manzo (Roastbeef) kommt mit gekochten Salzkartoffeln und Blumenkohl-Rahm-Matsch daher. Freundlicherweise werden alle Speisen am Tisch auf Wunsch mit einer großen Pfeffermühle gewürzt – dass war es dann aber auch mit der Würze. Sieht man irgendein Gewürz? Rosmarin vielleicht? Etwas frischer Thymian? Nein. Nichts. Selbst jede deutsche Mutti würde zumindest an ihre Salzkartoffeln etwas Petersilie lassen. Das Fleisch ist von guter Qualität, richtig gebraten – aber absolut pur, komplett ohne Salz. Was die Blumenkohl-Pampe darstellen soll, weiß ich auch nach Tages des Grübelns nicht.

Sowohl die Rinder-Medallions, als auch der Fisch kommen mit den selben Beilagen wie das Tagliata di Manzo. Die dünnen Fischfilets sehen unter der Kräuterhaube eine Spur zu durchgebacken aus und während dem Essen schwärmt man noch von der Trattoria neulich, wo der Fisch frisch im Ganzen serviert wurde und nicht so verdächtig nach Tiefkühlfilets ausschaute. Das Rind ist dafür nichtmal Medium, eher Medium to Rare. Qualität des Fleisches ist gut, die Würzung hat aber auch hier nicht stattgefunden.

Die Trüffelnudeln ließen erstmal viel versprechen, denn sie rochen durchaus gut, und als fischige Beilage wurden gebratene Jakobsmuscheln gereicht, die erstmal probiert werden wollten. Und hier muss man sagen: auf den Punkt! Das kann die Küche. Die Muscheln waren nicht zu fest, nicht zu roh. Leider gab es bei den Nudeln allerdings ein paar Sachen, die für 16,90 Euro gar nicht gehen. Zum Einen hätte ich gerne ausgesucht, welche Nudeln ich essen wollen würde, wurde aber erst gar nicht gefragt. Und zum Anderen (Okay, ich hätte auch vorher fragen können) erwarte ich in einer Trüffelsauce schon ein bisschen frischen Trüffel. Diese Soße war aber einfach mit reichlich Trüffelöl gemacht. Geschmacklich war es aber okay.

Die Lasagne mit Lammhack kommt zu unserer Freude diesmal unverbrannt aus dem Ofen. Im Spätsommer sah das noch anders aus. Ansonsten handelt es sich halt um eine Lasagne aus einer Tonschale, wie man sie von überall kennt. Man muss etwas nachsalzen (natürlich!) aber sonst? Ob man sich jetzt in einer der ältesten Trattorias Düsseldorf oder einem Lieferdienst befindet, ist alleine vom Geschmack der Lasagne nicht zu erkennen – nur am Preis.

Dessert – kleiner Lichtblick

Die Lust auf den Nachtisch ist mittlerweile etwas vergangen – so dass wir nur zwei mal ordern. Im Falle der gelieferten Käseauswahl ist das auch durchaus die richtige Entscheidung gewesen – die Menge reicht nämlich für drei Personen. Lecker ist sie auch, einige eher langweilige aber okaye Sorten reihen sich unter ein paar Knaller (besonders der Ziegenkäse ist ne Wucht), dazu gibt’s verschiedene Honigvariationen und wieder zähes Brot.

Auf Empfehlung bestellen wir die süße Nachspeise – eine neue „Spezialität“: Eine Art kleines Küchlein mit frischen Mandeln auf Vanilleeis. Das Eis ist dann zwar Vanillesoße, aber ansonsten schmeckt’s.

Fazit

Was auffällt ist der konsequente Verzicht auf jede Würze, auf frische Kräuter, auf irgendetwas was Leidenschaft ausdrückt. Was uns da aus der Küche erreicht sind tellerweise lustlose Belanglosigkeiten. Die verwendeten Zutaten sind meistens von guter Qualität, italienische Küche ohne frische Kräuter ist aber wie ein Auto ohne Reifen: Unbrauchbar. Für besondere Kreativität oder Experimentierfreude war das Mario’s noch nie bekannt (was nicht negativ aufzufassen ist), aber alle Nicht-Pasta-Hauptgerichte mit den selben (langweiligen) Beilagen rauszuschicken ist auch für das Mario’s ein neuer Tiefpunkt.

Mittlerweile greift dieser sinkende Trend auch auf den Service über – dabei war dieser einmal das Glanzstück des Mario’s. Freundlich ist man immer noch, aber die wechselnden Servicekräfte rund um die „Service-Seele“ leisten sich einfach zu viele Fehler. Bei unserem Besuch im Spätsommer wird ein Gruß aus der Küche zu wenig gebracht und auch auf Reklamation nicht geliefert, zur Vorspeise etwas empfohlen was es gar nicht mehr gibt, die verbrannte Lasagne nicht reklamiert. Dieses mal wurde die Nachspeise falsch beworben (Soße statt Eis – man liefert aber freundlich und schnell das Eis nach) und als nach der Vorspeise die erste „Hat’s geschmeckt“-Frage mit einem: „Nach gar nichts“ beantwortet wird, räumt man das Hauptgericht lieber kommentarlos ab. Diverse Getränke müssen öfter bestellt – und das Lokal ist eher mittelwenig besucht. Und ja: Das sind oft absolute Kleinigkeiten – auch überhaupt nicht schlimm. Es ist jedoch festzustellen, dass nun auch der über sämtliche Zweifel erhabene Service erste Zeichen von ungeahnter Schwäche zeigt.

Wenn mich jemand danach Fragen würde, wo man in Düsseldorf gut italienisch Essen gehen kann – das Mario’s würde ich nicht mehr in der Antwort nennen. Bislang kehren wir trotzdem immer wieder zurück und hoffen auf einen Lichtblick, der uns an die damalige Qualität erinnert. Jedes mal vergeblich. 2012 muss das Mario’s deshalb zeigen, wo die Reise hingeht. Der Kredit ist aufgebraucht und Eltern und Freunde, mit denen wir vor längerem gerne die Trattoria besucht haben, winken bei der Erwähnung des Namens bereits ab. Wir halten noch einmal, zweimal die Treue – aber dann muss man sich entscheiden: War Mario’s Trattoria mal eine der besten in der Stadt oder will sie auch heute noch dazugehören?

Kategorie: Restaurants in Düsseldorf

von

Jahrgang 83 und hoffentlich schon lange genug dekantiert. Wohnt in Düsseldorf Flingern und ist seit Dezember 2016 Vater einer wunderbaren Tochter. Deshalb geht es in der Küche derzeit schnell und gesund zu. Naja, auf jeden Fall schnell.

2 Kommentare

    • Hallo Jens,
      das Khanh’s Lilly kennen wir auch schon, sehr lecker. Demnächst wird es hier auch einen kleinen Bericht darüber geben.

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