Restaurants in Düsseldorf
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Meckenstock’s – Kein Haus der Freude

Manes Meckenstock ist den Rheinländern und geneigten Zimmer Frei – Zuschauern sicherlich ein Begriff. Abseits der Mattscheibe betreibt er eigentlich ein Restaurant mit angegliedertem Theater in Düsseldorf. Auf der Speisekarte stehen vornehmlich regionale Spezialitäten und die lokalen Szene-Magazine  küren das selbsternannte „Haus der Freude“ auch regelmäßig zum Düsseldorfer Aushängeschild – eine Wertung die ich so ganz und gar nicht nachvollziehen kann.

Drei Chancen von 2009 bis heute habe ich dem Meckenstock’s gegeben und jede wurde mit Pauken und Trompeten versemmelt. Schade, denn seit dem Umzug und der Neueröffnung 2010 im Volksgarten liegt es in meiner direkten Nachbarschaft und hätte ein Stammlokal werden können. Aber von Beginn an:

1. Versuch: Die Weihnachtsfeier

Noch vor dem Umzug feiern wir im alten Meckenstock’s 2009 unsere Weihnachtsfeier mit rund 35 Leuten. Wir sitzen in einem länglichen Raum weiter hinten, in dem auch eine zweite Weihnachtsfeier selber Größe untergebracht ist. Dadurch wird der Raum sehr eng – und viel zu laut, was beide Gesellschaften gleichermaßen nervt. Die Essen kommen in einem Zeitfenster von rund 25 Minuten an den Tisch – während die ersten fertig sind, warten die Letzen noch. Auch die Getränke – das Lebenselixier jeder guten Weihnachtsfeier – flutschen nicht so wirklich. Schnell ist klar, dass zwei Weihnachtsfeiern und normaler Betrieb vorne alle Kapazitäten des Lokals sprengen: Sowohl die der Räumlichkeiten, die des Service (nur ein Kellner für beide Gesellschaften!) und die der Küche. Da das Essen im Endeffekt auch einfach nur mittelmäßig war, wird einstimmig beschlossen, dass wir das Meckenstock’s für keine Feier mehr buchen.

2. Versuch: Nach dem Umzug

Sommer 2010, das Meckenstock’s ist mittlerweile im alten Bootshaus im Volksgarten neu eröffnet. Die Sonne perlt vom Himmel, es ist WM – perfekte Rahmenbedingungen. Zu viert machen wir uns auf den Weg. Draußen sind viele Bierbänke und Tische aufgebaut, ein Bierwagen steht bereit, auf einem großen Woodsmoker-Grill wird das Fleisch gegrillt. So muss Sommer sein.

Die Ernüchterung setzt aber umgehend ein: Ein Service existiert defakto nicht. Bier muss man sich selbst am Getränkewagen holen – und natürlich wird hier nicht vorgezapft. Der kurze Abstecher zum Bierwagen dauert damit runde 10 bis 15 Minuten. Wenn eine Person Wein trinken will – so wie bei uns – dauert’s doppelt so lange. Denn den gibt es nur drinnen – dafür da aber keine anderen Getränke. Heißt also zweimal anstehen und wenn’s gut läuft, erinnert sich die Begleitung nach einer halben Stunde auch noch an den Gesprächsfaden, in den man vor dem kleinen Ausflug vertieft war.

Das viele Anstehen macht dann auch hungrig. Maiskolben, Würstchen und Fleisch von diesem prächtigen Grill sehen aber kaum appetitlich aus, teilweise auch verkohlt. Insgesamt ist die Auswahl hier sehr klein, völlig langweilig und der Preis einfach abgeschmackt – aus der Erinnerung heraus, kostete die Wurst runde 4 Euro, drei sehr kleine Kalbmedallions um die 8 Euro. Wir entscheiden uns also alle, etwas von der normalen Karte zu bestellen.

Immerhin die Essensbestellungen nimmt der Kellner auf und bringt es auch nach circa 40 Minuten an den Tisch – bezahlt werden muss sofort. Was folgt, ist das wohl schlechteste Essen, was mir jemals in einem Restaurant vorgesetzt worden ist. Die zwei Salate waren völlig desolat: Wässriges Dressing, Dosenthunfisch en Masse, garniert mit Dosenmais und mittelmäßig geputztem Salat. Die chinesische Nudelpfanne kommt völlig laff und lauwarm daher – das gibt’s an jedem Chinaimbiss besser. Die dicken Bohnen sind dann ein kleiner Lichtblick, aber der Rest des Tellers (Kassler, Kartoffeln) ist kalt. Wir versuchen einen der spärlich vorhandenen Kellner zu bekommen, was nach 10 Minuten auch gelingt und reklamieren. Eine Entschuldigung bleibt genauso aus, wie eine Lösung. Da wir direkt bei Lieferung bezahlen mussten, gibt es keine Rückzahlung und noch mal 40 Minuten Warten wollen wir nicht. Wir verlassen also nicht grade frohen Mutes den Laden und sagen uns: Nie wieder.

Viele Leute müssen wohl ähnliche Erfahrungen gemacht haben, denn nach einem Erfahrungsaustausch auf der Facebook-Seite von Düsseldorfbilk, schreibt Manes persönlich diese E-Mail und erklärt einige der Probleme: Unerwarteter Ansturm, Probleme mit neuem Personal, Tralalala. Ich finde das stark von ihm, denn nicht jeder geht so offen und sympathisch mit Kritik um.

3. Versuch: Eröffnung der Biergartensaison

Ich gebe dem Meckenstock’s also noch eine Chance – muss mir dafür aber neue Begleiter suchen. Die alten wollen partout nicht noch einmal dahin. Die ersten Sonnenstrahlen 2011 locken und es dauert nicht lange, bis wir in neuer Besetzung wieder im ordentlich gefüllten Biergarten des Meckenstock’s sitzen. Der Bierwagen steht zwar immer noch vor der Tür – ist aber zum Glück geschlossen, Bier wird am Tisch serviert. Die Vorfreude ist groß, leider dauert es knapp 20 Minuten bis das erste frisch gezapfte Uerige vor uns steht. Wow, das war lange. Das mag aber auch daran liegen, dass scheinbar schon wieder Personalarmut herrscht. Ein Kellner für den kompletten Biergarten – geschätzte 30 bis 40 Biertische – ist einfach zu wenig.

Auf der eingeschweissten und übersichtlichen Speisekarte wird der Spruch „Hier ist alles frisch gemacht und nichts kommt aus dem Beutel“ durch viele lustige Nummern am Ende der Karte irgendwie konterkariert. Geschmacksverstärker, Konservierungsstoffe, Zusatzstoffe. Trotzdem wollen wir etwas zu essen – noch sind wir zu zweit – und bestellen die Hausmacher Sülze und den Leberkas. Während wir noch warten trifft auch unsere Verstärkung ein und wir sind zu viert. Mit dem Anstoßen wird es leider erstmal nichts, der Service ist weit entfernt davon, aufmerksam zu sein. Wir tun unser Bestes um uns irgendwie bemerkbar zu machen, was auch irgendwann gelingt. Als die Nachzügler Metthappen bestellen, müssen wir mit einem „Ääh, wir haben vor 20 Minuten bei Dir schon bestellt…“ abwiegeln. Das gute Gedächtnis des Service zeigt sich 10 Minuten später, als er mitten im Biergarten steht und brüllt: „Hatte hier jemand das Mett bestellt?!“. Ist allerdings nur eine Portion und nicht für uns, denn wir dürfen noch warten.

Als unsere ersten beiden Gerichte nach 40 Minuten am Tisch sind, bin ich auch erst einmal erleichtert: Es ist durchaus lecker. Die Hausmachersülze ist richtig gut – zwei schön dicke Scheiben mit viel Fleisch, ganzen Silberzwiebeln und wenig Aspik. Die Bratkartoffeln dazu sind teilweise nicht ganz kross, aber trotzdem gut. Auch die Remoulade ist selbst gemacht – nur leider nicht gut. Riesige Brocken von Gewürzgurke in einem flüssigen und nicht wirklich abgeschmeckten Öl-Senf-Gemisch. Für mich eine herbe Enttäuschung, mache ich doch regelmäßig Remoulade selbst. Das ist echt wahrlich kein großes Geheimnis und wie man so etwas rausgeben kann, ein Rätsel. Aber den guten Gesamteindruck meines Essens kann auch diese Remoulade nicht trüben.

Nicht ganz so gut kommt der Leberkas weg – der ist mit vier lustigen Nummern auf der Speisekarte gekennzeichnet und damit nicht hausgemacht. Genauso wenig hausgemacht sieht der Kartoffelsalat aus – so viel Mayo ist man eigentlich nur von einem Dosensalat gewöhnt. Mein Gegenüber quittierts mit einem Achselzucken.  Als wir schon 10 Mintuten fertig sind, erreichen uns auch die zwei Portionen Metthappen (ebenfalls auf der Karte mit einer lustigen Zahl gekennzeichnet). Was am Schneiden von 3 bzw. 4 Scheiben dickem und leckerem Brot  (aber wieso unterschiedlich viel Brot?), dem sehr groben Hacken einer Zwiebel und dem Drappieren des Mettberges 20 Minuten dauert, bleibt ein weiteres Geheimnis.

Als dann die letzte georderte Runde Bier nach 30 Minuten noch immer nicht am Tisch ist und man auf unsere Zeichen nicht reagiert, findet aber auch dieser Abend im Meckenstock’s sein schnelles Ende. Drei Bier in knappen 90 Minuten – und das in einem Biergarten. Da scheint man echt keinen Bock auf die Gäste zu haben.

Fazit

Der katastrophale Eindruck kurz nach der Neueröffnung konnte sich zum Glück nicht bestätigen, aber das Meckenstock’s ist trotzdem weit entfernt von den Lobliedern in einigen Magazinen. Das Essen ist im Idealfall gut, in der Regel schlicht mittelmäßig – in Ausnahmesituationen schlichtweg eine Katastrophe. Den Kick auf der sehr kleinen Speisekarte sucht man vergebens, die Gerichte sind oft einfach beliebig (Leberkas, Salate, Metthappen) und gibt es in Düsseldorf immer irgendwo anders in besser. Etwas Einzigartiges was man nur mit dem Meckenstock’s verbindet? Da bleibt nur der schlechte Service, der sich als einzige Konstante durch alle drei Besuche gezogen hat. Manche sagen, der Düsseldorfer will gerne schlecht behandelt werden, ist bereit dafür Geld auszugeben. Ich gehöre nicht wirklich dazu, könnte zumindest damit leben, wenn mir mein Bier gebracht wird – aber selbst das funktioniert nicht. Ob unfreundlicher und unaufmerksamer Service aber zu dem Bild passt, was man von Manes Meckenstock gewöhnt ist, wage ich zu bezweifeln. Gerade wenn ich also das Haus der Freude besuche, erwarte ich eigentlich Herzlichkeit und Witz, der eben auch mal miese Tage der Küche vergessen macht. Leider sucht man aber diese Freude im Haus der Freude vergeblich.

Kategorie: Restaurants in Düsseldorf

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Jahrgang 83 und hoffentlich schon lange genug dekantiert. Wohnt in Düsseldorf Flingern und ist seit Dezember 2016 Vater einer wunderbaren Tochter. Deshalb geht es in der Küche derzeit schnell und gesund zu. Naja, auf jeden Fall schnell.

7 Kommentare

  1. Ging uns vor 2 Wochen an einem sonnigen Sonntag auch so – hatten zum Glück das Backgammon mit – zum glück gleich das erste Bier – aber nach über ner Stunde und einigen Partien gab es weder mehr Bier geschweigeden vom bestellten Essen – der Kellner ließ sich nicht mehr sehen und wurde nach Suchen drinnen gefunden – wir sind ja nett und haben die zwei Alt zahlen wollen… Tut in der Seele weh, dort an der Quelle zu verdursten – guter Tipp für ein Pizza-Taxi – garantiert schneller geordert und geliefert…

  2. Den Eindruck kann ich nur bestätigen. Ich war im letzten Sommer da, und musste geschlagene 35 Min. auf ein leckeres Bier warten…ein Glück war ich nur wegen des Bieres da, und hatte wärenddessen eine gute Unterhaltung. Es ist dann aber bei dem einen Bier geblieben und ich werde den „Biergarten“ wohl nicht mehr so bald beehren.

  3. wolf sagt

    So lange wie Can habe ich es gar nicht ausgehalten, ich bin nach 20 Minuten ohne Bedienung und damit ohne Bier wieder weg. Es gibt ja noch Alternativen im und um den Volksgarten.

  4. Claudia sagt

    Hallo,
    ich kann den Eindruck nur bestätigen. Die Hoffnung, entsprechend gutes Essen zu bekommen, haben wir schon bei Eröffnung des Lokals am Volksgarten begraben. Die Hoffnung stirbt ja eigentlich bekanntlich zuletzt. Auch die Getränke sind leider immer noch zu lange vom Zapfhahn bis zum Tisch unterwegs. Wir haben auch schon Gläsermangel miterlebt, da hat man den Gästen im Biergarten quasi Gläser vom Tisch weggerissen, damit man die neuen Gäste bedienen konnte. Hatte ich so auch noch nicht erlebt. Auch den unverschämt teuren Riesling mit Resten von klar sichtbarem Lippenstift serviert zu bekommen und dann bei der Reklamation auch noch schief geguckt zu werden ist leider alles andere als gastfreundlich. Das Restaurant wäre sicherlich eine Goldgrube, aber leider muss man sich zuerst von dem Koch und dann ganz schnell von dem restlichen Personal trennen.

  5. Hallo Ben,

    Herr Meckenstock macht ab jetzt nur noch seine Theater Geschichte und hat sich nun ganz aus der gastronomischen Leitung zurückgezogen!!! Besuche uns doch einmal an einem sonnigen Tag im neuen „Kurhaus“ Biergarten ;-).

    Viele Grüße
    Marieanna

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