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Traumberuf Koch?

Moinsen und frohes Neues! So langsam kehrt auch hier wieder Leben ein.

Sind wir mal ehrlich: Wir oft waren wir als Hobby-Köche schon in einem Restaurant, haben uns über das Essen geärgert und uns selbst beweihräuchert: „Das könnte ich besser!“. Oder wie oft habt ihr schon bei einer der diversen Küchen-Sopas im TV die Hände über den Kopf zusammengeschlagen, wenn da einer wieder ein Steak tot brät? Wie oft habt ihr schon gehört, ihr sollt doch ein eigenes Restaurant aufmachen oder Euch es zumindest mal vorgestellt? Auch ich kann mich nicht ab und an von solchen Gedanken freisprechen.

Aber wissen wir überhaupt, wie es wirklich in so einer Küche zugeht? Nur weil wir uns drei Kochshows in der Woche anschauen, zweimal Essen gehen und alle Kochbücher von Jamie Oliver haben? Im September 2009 lief im WDR in der Reihe „Die Story“ der sehr sehenswerte Beitrag „Traumberuf Koch?„. Unverblümt und ungeschminkt wird aus verschiedenen Küchen berichtet. Und die Realität hat nichts mit der romantischen Vorstellung von Kochen zu tun, wie wir es von zu Hause kennen. Johan Lafer beschreibt (und kritisiert) die gängige Realität: Auszubildende werden als fester Bestandteil einer Küchenbrigarde angesehen, billige Arbeitskräfte. Es wird auch ein Sternerestaurant gezeigt, in dem auf einen richtigen Koch zwei Azubis kommen und zurecht die Frage gestellt: Wie soll da noch Wissen vermittelt werden?

Der Umgangston in den Küchen ist rau: Handgreiflichkeiten, Gegenstände fliegen durch die Küche. Arbeitszeiten von 14 bis 16 Stunden am Tag sind die Regel. Sternekoch Tim Raue schafft das nur, in dem er sich der Realität bewusst ist: „Wir kommen jeden morgen zur Arbeit und wissen: Wir haben gar keine Chance das zu meistern“.Im Beitrag wird auch der Fall eines minderjährigen Auszubildenden beschrieben. Nach einigen Monaten mit 16 Stunden Arbeitstagen folgte der Nervenzusammenbruch und er bestand auf die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften. Jetzt darf er nur noch das Lager umräumen, in der Küche ist kein Platz mehr für ihn. Die Köche im Beitrag sprechen von „natürlicher Auslese“. Nicht umsonst stellt sich ein Großteil der gezeigten Azubis die Frage, ob sie diesen Beruf tatsächlich ausüben wollen.

Alles in Allem ein sehr sehenswerter Beitrag, der ueinem auch nochmal verdeutlicht, was für ein Knochenjob das Ganze ist. Und vielleicht denken wir beim nächsten Restaurantbesuch mal daran und schicken desöfteren – wenn es denn geschmeckt hat – ein Lob in die Küche.

Irgendein verbitterter Verleger hat leider dafür gesorgt, dass der Beitrag in der Mediathek nicht mehr verfügbar ist – dafür findet man ihn aber auf YouTube. Viel Spaß beim Anschauen.

Drauf gekommen bin ich über Nutri Culinary, da war der Ausschnitt mit Tim Raue gepostet.

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Jahrgang 83 und hoffentlich schon lange genug dekantiert. Wohnt in Düsseldorf Flingern und ist seit Dezember 2016 Vater einer wunderbaren Tochter. Deshalb geht es in der Küche derzeit schnell und gesund zu. Naja, auf jeden Fall schnell.

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